430040 The Hurricane Heist

Skinny Molly hie die Band auf der Spitalkellerbhne, und sie bediente mit ihren elektrifizierten Gitarren ein seit 40 Jahren totgesagtes Genre: den Southern Rock. Dessen Hauptmerkmal sind die Twin-Gitarren – also die zweifache Lead-Gitarre, mal unisono gespielt, mal sich berlagernd, sich ergnzend und gern sich duellierend. Musikalisch geht es um die Verbindung schwarzer Musikstile – Blues, Soul, Gospel – mit weien Country-Spielarten plus stampfendem Boogie.

Das klingt zum Beispiel so: Die grell-kratzigen gehmmerten Akkorde von zwei Gitarren hpfen die Sprossen der Oktavenleiter rauf und runter, Quirk-Schnarr-Fiep-Knurr-Quietsch-Kreisch Schrumm, Gitarre eins mit Wah-Wah-Effekt, Gitarre zwei mit Verzerrer. Das kommt lssig-locker und trotzdem ziemlich druckvoll, ist unterlegt mit knallig-straffen Rumms!-Akzenten von Bass und Schlagzeug. Veredelt wird es durch die gut abgehangene Stimme von Bandgrnder Mike Estes: "They could’ve named a hurricane after you ...", der den Text sozusagen "sotto voce" zwischen den Zhnen hindurchquetscht. Es geht hier – worum sonst? – um die Zerstrungskraft einer Southern Lady. Von einem Takt zum nchsten explodiert der Song und die beiden Gitarren kreischen wild los wie ein leibhaftiger Tornado.

Zwei Lynard Skynard-Leute in den Reihen von Skinny Molly

Anderes ist federnder Country, flockend, die Gitarren twngen ber treibenden, knackig-trockenen Drums und wumpernden. Kyle Law heit der Drummer und Luke Bradshaw der Mann an den dicken Saiten, beides bekannte Studio- und Live-Cracks der Nashville-Szene. Skinny-Molly-Grnder Mike Estes war etliche Jahre einer der Lead-Gitarristen bei Lynyrd Skynyrd (Hit: "Sweet Home Alabama"), neben den Allmann Brothers die "Erfinder" des Southern Rock. Sein Co-Gitarrist Jay Johnson war gleichfalls Sideman von Skynyrd-Mitgrnder Gary Rossington.

Was dem Abend im Spitalkeller seine Qualitt verleiht, ist zum einen diese kaum fassbare Mischung aus gut gelaunter Lssigkeit und zupackender Intensitt. Auch hat man jede Sekunde das Gefhl, die Band liebt es, in kleinen Clubs hautnah am Publikum aufzutreten. Dazu kommt die Qualitt der Songs von Mike Estes, ob druckvoller Boogiedrive oder wippender Countryshuffle, ob Good-Time-Musik, Highway-Melancholie oder fiebriger Gospelsoul.

Die Themen sind Mnnerthemen: Der Spa am Biken, der Teufel in der Flasche, plus Frauen und das Einsamer-Wolf-Image des Sdstaaten-Heros. Wobei Estes das meist karikiert mit schrgen Stories von schrgen Typen wie jenem, der Schwierigkeiten dadurch lst, dass er angeln geht, bis das Problem sich erledigt hat. Als Gegenpol schafft er schne lyrische Songs, deren Stimmungen in melodise Gitarrenlinien mnden.

Meist handelt es sich aber um Good-Time-Musik: Die wollen Spa haben auf der Bhne – und dem Publikum Spa bereiten. So ist es wohl unvermeidlich, dass irgendwann "Sweet Home Alabama" angezupft wird – ordentlich gespielt, aber kein Highlight.

Besser gelingt da eine weitere Reminiszenz an Lynyrd Skynyrd, "Free Bird" als Schlusspunkt des Abends, zart beginnend und zur Hymne wachsend, mit einer sinnigen Message: Dass Freiheit nicht bedeutet, alles zu haben, sondern dass sie eine Form von Verzicht ist. Estes und seine Band schaffen es, diese Stimmung in einem Moment der Stille verklingen zu lassen, womit sie diesem Gute-Laune-Abend eine ganz eigene Schlussnote mitgeben. Gut gemacht, Jungs. Dickes fettes Bravo.

Source : http://www.badische-zeitung.de/offenburg/maenner-haben-s-schwer-nehmen-s-leicht--160170575.html

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