11631 Mamma Mia

Vorab die Warnung vor Spoilern, denn in dieser Kritik werde ich ganz massiv auf die Handlung von Mamma Mia-Here We Go Again eingehen. Wer den Film also noch nicht gesehen hat, sei gewarnt. Abgesehen davon sollte ich erwähnen, dass dies keine wirklich allzu ernstzunehmende Kritik ist.

Trailer zu Mamma Mia! Here We Go Again

Da ich weder ein Fan der Musik von Abba bin, noch besonders scharf darauf Pierce Brosnan singen zu hören, dürfte klar sein, dass dieser Kinobesuch einzig und allein wegen meiner Herzdame zustande kam. So darf die Wertung durchaus als die meiner Frau betrachtet werden. Ich bin in diesem Fall lediglich der Schreiberling, der die Wertung zu Papier bringt.

Doch zuerst zum schönen Teil des Abends.

Dem Kinobesuch im Frankenthaler Lux-Kino ging ein gepflegtes Dinner zu zweit voraus, welches den Abend mit gut gemixten Cocktails einläutete. Bei mir waren es dann zwei Long Island Iced Tea, was mir einen wesentlich erträglicheren Film versprach^^

Das Essen war gut und die Drinks verfehlten ihre Wirkung nicht. So traten wir (sehr gut gelaunt) den kurzen Weg ins Kino um die Ecke an. Auch hier war soweit alles zu unserer Zufriedenheit. Die Sitze waren bequem und auch die ausgewählte Position versprach ein angenehmes Filmerlebnis (soweit ein Headbanger von Brosnan geträllerte ABBA Songs mit zwei Cocktails intus als Erlebnis bezeichnen kann ;-))

Zur Handlung des Films:

Nach dem Ende des ersten Teils ist Sophie, Donnas Tochter, nun Chefin des Hotels und führt den Betrieb fort. Zum Zwecke der Neueröffnung will sie eine große Party schmeißen und lädt dafür alle ein die dafür in Frage kommen, natürlich auch ihre “Väter“. Doch während man auf der einen Seite vor immer größeren Problemen steht, die Insel überhaupt zu erreichen, türmen sich auf der anderen Seite ständig neue Probleme auf, die die Party platzen zu lassen drohen. Parallel wechselt die Story immer wieder zu Donnas erster Reise zur fiktiven Insel “Kalokairi“ und beleuchtet dabei die Ereignisse, die dazu geführt haben, dass dieses “Wer ist der Vater?“ Desaster überhaupt erst entstanden ist.

Zur (für mich sehr überraschenden und absolut subjektiven) Kritik:

Der Film beginnt mit der gewohnt fröhlichen Art seines Vorgängers und verspricht ein lockeres Filmerlebnis mit jeder Menge ABBA-Hits. Zumindest die Hits bleibt der Film nicht schuldig. Mit dem fröhlichen Filmerlebnis allerdings, ist das so eine Sache. Sehr schnell offenbart die Story ein Ereignis, dass man so nicht erwartet hätte, denn Donna ist tot. Nun mag das für die meisten Zuschauer wohl kein allzu einschneidendes Ereignis sein, für meine Frau aber schon. Hierzu muss man wissen, dass erstens, meine Frau ausschließlich Filme gut findet in denen am Ende entweder jemand heiratet, jemand Kinder bekommt oder zumindest alle am Ende fröhlich tanzen und zweitens, Meryl Streep meiner Schwiegermutter zum Verwechseln ähnlich sieht. So wechselte das vor Vorfreude lächelnde Gesicht meiner Frau sehr schnell zu abgrundtiefer Enttäuschung und ein ständiges: „Warum machen die das? Was soll der Sch**s? Sind die bescheuert? Wieso lassen die Donna sterben? Ich hasse diesen Film!“, war von meinem Nebenplatz zu vernehmen.

So nahm der Schrecken seinen Lauf und je mehr sich das Ende des Films näherte, desto finsterer wurde die Miene meiner Frau. Als dann zu guter Letzt Meryl Streep als Geist (oder vielmehr Lichtgestalt) und nur für Sophie sichtbar, doch noch einen Auftritt hatte (der ihr Erscheinen auf den Plakaten gerade so ein Minimum an Berechtigung verleiht), war es um meine Frau geschehen. Die Tränen rannen in Strömen. Ich weiss nicht ob es an den Cocktails lag (muss so gewesen sein), doch auch ich konnte mich der Wirkung des Bildes, wie meine Schwiegermutter da vor Amanda Seyfried ihr letztes Liedchen trällerte, nicht entziehen. Keine Tränen (Männer weinen nicht^^), aber ein dicker schwerer Kloß, schnürte mir die Kehle zu. Und ja, ich mag meine Schwiegermutter, sie ist eine nette Dame im besten Alter (man muss sich ja absichern, sollte sie das je lesenwink)

Nachdem der erste Schock einigermaßen überwunden war und wir wieder in der Bar unseres Vertrauens waren (selbstverständlich mit den geeigneten Getränken vor uns), begann ich mit den Fragen zur Filmanalyse.

Ich begann also mit meinen Fragen:

Ich: Wie fandest du denn nun den Film?

Sie: Böser Blick (und zwar von der Sorte, die einem sagt, dass man nie mehr die Freuden der ehelichen Sonderrechte genießen werden darf, sollte man diese Frage noch einmal stellen)

Ich: Okay, aber jetzt so vom Schnitt her? (wollte ein wenig mit Fachsimpeln beginnen)

Sie: Der gehört verschnitten, der Film. (gut, das war jetzt nicht der richtige Ansatz, soviel war klar)

Ich: Ja, aber die Musik, die ist ja jetzt genau dein Ding gewesen oder?

Sie: Warum haben diese Deppen bloß Donna Sterben lassen? Was soll der Sch**ß? Jetzt weiss ich, wie du dich bei den neuen Star Wars Filmen gefühlt hast. (Spätestens jetzt wusste ich, jupp, es war kein Durchkommen. Denn da meine Frau weiss, wie enttäuscht ich nach der ersten Episode VII Sichtung aus dem Kino gekommen war und sie diesen Vergleich zog, war mir klar, wie die Analyse weitergehen würde. Die Hand ging hoch, der nächste Drink wurde bestellt und dem Kellner wurde mitgeteilt, dass er ein Taxi rufen solle)

Ich beendete meine Analyse und ersparte mir die Frage nach der Punktewertung. Stattdessen begann ich einige Tage später mit der Recherche, wieso man sich für diesen ungewöhnlichen Weg, Donna sterben zu lassen, entschieden hatte. Letztendlich war es wohl so, dass Meryl Streep der Hype zu viel geworden war und sie keine Lust mehr auf einen zweiten Teil hatte. Da man sie aber unbedingt für die Werbung des Films brauchte (oder meinte zu brauchen), und auch gleich für eine weitere Fortsetzung klare Verhältnisse schaffen wollte, konnte man sie wohl überreden wenigstens einen Auftritt als Donna hinzulegen. So hatte man sie im Film, konnte sie für die Werbetrommel einsetzten und es war klar, dass sie raus war.

Ob man das nun so hätte lösen müssen, sei dahingestellt. Auf alle Fälle hat man so mindestens einen Fan weniger generiert.

Zum Film selbst gibt es aber, unabhängig der genannten Erlebnisse, noch einiges zu sagen.

So ist der zweite Teil der ABBA-Musicalwelle ein durchaus gelungener Film geworden. Die Schauspieler machen ihre Arbeit gut und auch wenn man Meryl Streep nur kurz zu Gesicht bekommt, ist ihre Performance einfach großartig. Sie bringt die Lieder von ABBA einfach so dermaßen toll rüber, dass es einfach Spaß macht ihr zuzuhören. Auch Amanda Seyfried trägt den Film über große Strecken alleine und braucht sich hinter Cher, die gegen Ende des Films als Großmutter als versöhnlichen Besuch getarnt einen ihrer denkwürdigen Auftritte hinlegt, zu verstecken. Alle anderen Sänger sind, naja, sagen wir mal erträglich. Von Brosnan über Garcia geben alle ihr Bestes. Auch der Switch zwischen den beiden Zeitzonen macht Spaß. Obwohl man die Story im Prinzip schon kennt, verfolgt man Donnas Reise gespannt und lässt sich von den ABBA Songs durch den Film tragen. Auch der Umstand, dass man Donna hat sterben lassen, was im Übrigen in keinster Weise erklärt wird, denn sie ist einfach tot, ohne Erklärung wieso, wird den meisten Kinobesuchern den Kinobesuch nicht wirklich schwerwiegend verhageln.

Fazit und letztendliche Bewertung:

Hätte ich diese Kritik am Abend des Kinobesuchs von meiner Frau bewerten lassen, wären wir wohl nicht über eine Bewertung von einem halben Hut hinausgekommen. Nun ist meine Frau aber meinem Rat gefolgt, sich den Film noch einmal anzuschauen und noch einmal genauer zu bewerten, gefolgt (diesmal ohne mich^^). So ist ihre Wertung nach der gefassten Zweitsichtung denn doch wesentlich versöhnlicher ausgefallen (vor allem vor dem Hintergrund von Meryl Streeps Unwille bei dieser Fortsetzung weiterhin dabei sein zu wollen). Letztendlich sind es dreieinhalb von fünf Hüten geworden und eine, zwar etwas schwermütige, aber dennoch klare Weiterempfehlung für Fans des ersten Teils und alle die keine Verwandten haben, die wie Meryl Streep aussehen ;-).

Mamma Mia! Here We Go Again Bewertung

Bewertung des Films

Source : https://www.moviejones.de/kritiken/mamma-mia-here-we-go-again-kritik-5287.html

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