10882 Sleeping Beauty

In Frankfurt werden in der Schirn Kunsthalle aktuell mit der Schau zum Afrikamaler Wilhelm Kuhnert und zeitgenssischen Positionen gleich zwei Ausstellungen zum Thema gezeigt - von denen wir eine an dieser Stelle in der vergangenen Woche besprochen haben. Und jetzt zieht Darmstadt nach mit der Ausstellung »Sauvage« mit Werken von Emmanuelle Rapin und Angelika Krinzinger, die an zwei Orten bis nchsten Februar zu sehen ist: im Kunstforum der Technischen Universitt (TU) Darmstadt und im Museum Jagdschloss Kranichstein.

Motive aus der Jagd

Die Knstlerin und diplomierten Haute-Couture-Stickerin Emmanuelle Rapin, die 1974 in pinal in Frankreich geboren wurde und in Berlin lebt, verknpft Motive aus der Jagd mit handwerklichen traditionellen Ttigkeiten wie dem Sticken. Rapin fertigt aus organischen Materialien wie Knochen, Federn, kostbaren Steinen oder prparierten Tieren Objekte. »Meine Kunstobjekte sehe ich als visualisierte Gedichte, die man anfassen kann«, sagt die Knstlerin.

Einige ihrer Objekte knnen wie Modeaccessoires auch getragen werden. Beispielsweise der Falter, den Rapin aus Federn und Perlen gemacht hat. Einerseits wirkt das zarte Geschpf mit den interessant gezeichneten Flgeln und dem schwarz glnzenden Krper faszinierend und sthetisch, anderseits jagt einem das leblose und wie aufgespiete Tier auch Schauer ber den Rcken. Es veranschaulicht das Werden und Vergehen, aber auch die fragile Schnheit des Seins. Und dafr scheut sich Rapin auch nicht, das Fell von Sugetieren, Vogelfe oder Sexualorgane von Pflanzen fr ihre Kunstwerke zu verwenden.

Der Ausstellungstitel - Sauvage ist das franzsische Wort fr wild - bezieht sich auf die ungezhmte Natur des Waldes ebenso wie auf die Kraft der Kunst. In der griechischen Mythologie und im Mrchen ist der Wald oftmals der Ort von Ungewissheit, Gefahr und Unheil - aber auch von Verwandlungen und Wundern. Die Waldmetapher spielt in fast allen Werken Rapins eine Rolle. Auch ihr vergoldeter und mit einem Dorn bewehrter Fingerhut »The sleeping beauty« (2010) weist auf ein Mrchen und den Wald hin. 100 Jahre schlief die Knigstochter Dornrschen nach dem Stich durch die Spindel durch einen bsen Fluch in einem Schloss tief im Wald, bis ein Prinz sie wieder wachksste und erlste.

Im Jagdschloss Kranichstein werden Rapins Werke den historischen Stillleben eines Zacharias Sonntag gegenbergestellt, der als Hofmaler der Landgrafen von Hessen Darmstadt im 18. Jahrhundert ebenso den Wald als Metapher fr Wildheit und Unberechenbarkeit benutzt, diesen jedoch durch tote Vgel, Hasen, Rehe und jagdliche Ausrstung als vom Menschen beherrschbar interpretiert. Auch er erinnert an die Vergnglichkeit des Lebens und den Schein - wenn auch auf entgegengesetzte Weise.

Auf Hnde fokussiert

Im Kunstforum der TU treffen Besucher dann auf die fotografische Serie »An Hand« der 1969 geborenen Wiener Knstlerin Angelika Krinzinger sowie auf ausgewhlte Exponate aus dem Jagdschloss Kranichstein.

Krinzinger hat die historische Portrtgalerie der Habsburger in Schloss Ambras bei Innsbruck fotografiert, sich jedoch ausschlielich auf die Hnde fokussiert. Der restliche Teil des Krpers fehlt. Was die jeweilige Handhaltung zu bedeuten hatte, Hinweise auf Tugendhaftigkeit etwa, moralisches Verhalten oder Jungfrulichkeit, konnte in der damaligen Zeit entschlsselt werden. Heute ist das nicht mehr der Fall. »An Hand« symbolisiert das Gezhmte, Kultivierte - im Gegensatz zu Rapins bewusster Wildheit.

BETTINA KNELLER Hintergrund

»The sleeping beauty« von Emmanuelle Rapin. Foto:

Informationen und Begleitprogramm zur Ausstellung

»Sauvage«: Bis 24. Februar 2019 im Kunstforum der TU Darmstadt und im Museum Jagdschloss Kranichstein; Kunstforum im alten Hauptgebude der TU Darmstadt, Hochschulstrae 1, Raum 200 geffnet Mittwoch bis Sonntag 13 bis 18 Uhr; Museum im Jagdschloss Kranichstein, Kranichsteiner Strae 261, Darmstadt, geffnet Mittwoch bis Freitag 13 bis 17 Uhr, Samstag, Sonn- und Feiertage 10 bis 17 Uhr; Sonntag, 2. Dezember, Sonntag, 24. Februar, jeweils 13 Uhr, Kombifhrungen im Kunstforum der TU Darmstadt und anschlieend um 15 Uhr im Jagdschloss Kranichstein; Fhrungen im Jagdschloss Kranichstein am 25. November, 6. Januar, jeweils 15 Uhr; Fhrung im Kunstforum der TU am 20. Januar, 15 Uhr.

Source : https://www.main-echo.de/ueberregional/kultur/kultur-index/kultur/prio1/art495432,6544355

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