10849 The Purple Rose Of Cairo

Seit «Lord of the Rings» kennt ihn die ganze Welt! Kinostar Viggo Mortensen (59) eröffnet heute Donnerstag das Zurich Film Festival. Er kenne die Schweiz gut, sagt er im Interview mit BLICK.

BLICK: Sie sprechen sieben Sprachen. Können wir uns auf Deutsch unterhalten?

Viggo Mortensen: Oh, nein, das wäre mir zu peinlich. Ich kann knapp eine Zeitung auf Deutsch lesen. Englisch ist mir lieber.

Englisch, Dänisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Schwedisch und Norwegisch. Wie kommt es, dass Sie so viele

Sprachen beherrschen

?

Mein Vater ist Däne, meine Mutter Amerikanerin. Die ersten elf Lebensjahre verbrachte ich in Argentinien. Später zogen wir in die USA, lebten nahe an der Grenze zu Québec. Dort lernte ich Französisch. Irgendwann kamen auch noch Italienisch und Norwegisch dazu. Ich mag Sprachen, ich reise gerne.

Am Donnerstag kommen Sie ans Zurich Film Festival. Kennen Sie die Schweiz?

Ja. Als ich jünger war, sind wir mit der Familie während der Sommerferien oft kreuz und quer durch Europa gefahren. Gearbeitet habe ich allerdings nie in der Schweiz.

Ihr Film «A

Dangerous

Method

» von 2011 handelte teilweise in Zürich.

Richtig. Darin spielte ich den jungen Sigmund Freud. Wir filmten aber hauptsächlich in Wien und Konstanz. Es lag wohl ausserhalb des Budgets, in der Schweiz zu drehen.

Sie spielen in Blockbustern mit, aber auch oft in Autorenfilmen. Wie unterscheiden Sie?

Kleinere Filme erzählen oft spannendere, da kompromisslosere Geschichten. Bei den grossen Filmen reden immer viele Leute mit. In der Regel gilt: Je mehr Köche in der Küche, desto fader das Gericht. Ich verlasse gerne meine Komfortzone. Das musste ich auch im neuen Film «Green Book».

Diesen zeigen Sie auch in Zürich.

Genau. Ich spiele diesen kantigen Ex-Türsteher, der Anfang der 60er-Jahre einen dunkelhäutigen Pianisten auf seiner Tournee durch die rassistisch geprägten US-Südstaaten begleitet. Der Kerl ist Italo-Amerikaner, er raucht, trinkt, flucht. Da gibt es doch andere, die den besser spielen können, dachte ich zu Beginn. Ich zweifle oft, was meine Filmauswahl angeht.

Das haben Sie auch bei Ihrer bekanntesten Rolle getan. Ursprünglich wollten Sie

Aragorn

in «Lord of the Rings» gar nicht spielen.

Richtig, ich war skeptisch. Ich wurde in letzter Minute angeheuert und hatte grosse Bedenken, da ich mich nicht richtig auf diese doch sehr physische Rolle vorbereiten konnte. Ausserdem wusste ich, dass die Dreharbeiten in Neuseeland unendlich lange dauern werden. Ich wollte nicht so lange und so weit von der Familie sein.

Trotzdem sagten Sie zu.

Ja. Und ich bereue es keine Sekunde. «Lord of the Rings» hat mein Leben verändert. Der Film hat mir viele Türen geöffnet.

Dabei begann Ihre Karriere eher stockend. Woody Allen hat Sie aus Ihrem ersten Film «The

Purple

Rose of

Cairo

» 1985 herausgeschnitten.

Wie

frustrierend

war das?

Oh weh, ich erinnere mich. Das war natürlich eine grosse Enttäuschung. Aber das passiert oft. Der Regisseur sieht eine erste Fassung, ist nicht zufrieden, streicht dann Figuren und Szenen. Damit muss man lernen zu leben. Ich habe damals zum Glück nicht aufgegeben.

Sie werden im Oktober 60. Eine grosse Sache?

Nein. Ich dachte schon mit 30, dass ich alt sei. Mit 40 war es noch schlimmer. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Ich brauche ein bisschen mehr Schlaf, aber ansonsten bin ich ziemlich gut darin, dem Alter nicht zu viel Aufmerksamkeit zu schenken. Heutige 60-Jährige sind auch nicht mehr so wie einst. Wir alle leben heute länger. Wir werden auch langsamer alt als früher.

Viggo Mortensen

Vielseitiger Darsteller

Viggo Mortensen (59) zählt zu den vielseitigsten Schauspielern: Bekannt wurde er als verführerischer Liebhaber in «A Perfect Murder» (1998). Weltruhm erlangte er als Krieger Aragorn in der «Lord of the Rings»-Trilogie (2001–2003). Beeindruckend ist sein Auftritt im Endzeit-Drama «The Road» (2009), packend ist auch sein neuer Film «Green Book». Mortensen machte sich zudem als Fotograf, Dichter, Maler und Musiker einen Namen. Er hat einen Sohn und lebt mit seiner Langzeitfreundin, Schauspielerin Ariadna Gil (49), in Madrid.

Source : https://www.blick.ch/people-tv/kino/mortensen-eroeffnet-zurich-film-festival-aus-seinem-ersten-film-wurde-er-rausgeschnitten-id8906137.html

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