Historia

Tindaro Adamo zeigte sich freudig erstaunt über die Schlange, die sich vor dem Club Orange gebildet hatte. Der Auftritt des aus Buenos Aires stammenden Gitarristen Máximo Diego Pujol war ausverkauft, auch Gitarrenschüler waren darunter, die eine Meisterklasse des Argentiniers besuchten. Vor zwei Jahren war Pujol schon in Ulm gewesen; seitdem hat sich zwischen ihm und Adamo, selbst Lehrer für Konzertgitarre, eine Künstlerfreundschaft entwickelt.

In entspannter Atmosphäre spielte Pujol für sein aufmerksam lauschendes Publikum. Der „Professor Superior de Guitar“ überzeugte mit makellosem Spiel. Dieses hatte er unter anderem bei Miguel Ángel Girollet und Leo Brouwer geschult. Auf der Bühne des Einsteinhauses saß ein Könner seines Fachs, der betörende Melodien zauberte, als ob es das Einfachste auf der Welt wäre. Dazu bediente sich Pujol aus einem reichhaltigen Fundus lateinamerikanischer Gitarrenklassik, gab aber auch Eigenkompositionen zum Besten. Die sind vom Tango eines Astor Piazzolla oder von der Folklore inspiriert, „La Rosa Eterna“ wiederum durch den Erzählungsband „Zwölf Geschichten aus der Fremde“ des kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez, der Pujol zum Konzeptalbum „Historias Sin Palabras, Color Sepia, Torino“ angeregt hatte. Leider war Pujol mitunter nahe daran, in Schönheit zu erstarren –  etwas mehr argentinisches Feuer hätte dem an sich gelungenen Abend nicht geschadet. 

Source : https://www.swp.de/suedwesten/staedte/ulm/tango-mit-betoerenden-melodien-28159854.html

219